Darum ist die SPD Fraktion für einen Ausbau und die Weiterentwicklung des Wallmuseum

Veröffentlicht am 25.07.2009 in Kommunalpolitik

Die Stadt Oldenburg verfügt mit dem Oldenburger Wall über eines der bedeutendsten archäologischen Bodendenkmäler Schleswig – Holsteins.
Mit der Zielsetzung dieses einmalige Denkmal, das die landesgeschichtliche Epoche der Slawen dokumentiert, nicht nur zu unterhalten, sondern auch kulturhistorisch zu nutzen, hat die Stadt in den vergangenen Jahrzehnten unter Nutzung von Fördermitteln und auch mit erheblichem eigenem finanziellem Engagement rund 5,7 MIO € in den Flächenkauf, die Freilegung des Walles und die landschaftliche Gestaltung des Wallumfeldes sowie in den Bau und Betrieb des Wallmuseums investiert.

Aufgrund anderer kommunalpolitischer Schwerpunktsetzungen und in der Folge der sich in den letzten Jahren dramatisch verschlechterter Haushaltslage, sah sich die Stadt gezwungen, ihr finanzielles und personelles Engagement für den Wall und das Wallmuseum drastisch zu reduzieren. Die Stadt konnte in den letzten Jahren nicht mehr ausreichend Haushaltsmittel für den Ausbau des Betriebes und der Vermarktung des Museums bereitstellen.

Das Museum hatte daher nach einer sehr erfolgreichen Anlaufzeit mit einem ständigen Rückgang der Besucherzahlen zu kämpfen. Die Besucherzahl ging von 24.000 jährlich auf zuletzt 8500 zahlende Besucher im Jahr 2004 zurück. Um diesem Trend entgegen zu wirken, wurde im Jahr 2005 gemeinsam mit dem Middelaltercentrum Nyköbing das Projekt Baltic Bridge gestartet, das sehr erfolgreich abgeschlossen werden konnte und derzeit durch das Projekt Baltic Bridge II fortgesetzt wird. Die im Rahmen des Ursprungsprojektes eingesetzten Arbeitsgruppen haben sich mit einer Steigerung der kulturhistorischen Attraktivität des Oldenburger Walles und des Wallmuseums befasst und dazu Vorschläge erarbeitet. Notwendig sind insbesondere Maßnahmen, die die Besucherzahlen des Museums dauerhaft und nachhaltig erhöhen, um mehr Einnahmen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation zu erreichen.

Ziel muss es sein, den Wall und das Museum professioneller zu führen und zu vermarkten, sowie den jährlichen Zuschussbedarf der Stadt zu begrenzen und zusätzliche Besucher auch in die Stadt zu ziehen, die Gastronomie, Handel und Beherbergung zu beleben.

Die Stadtverordnetenversammlung hat im September 2005 durch Beschluss festgestellt, dass bei realistischer Einstellung der bestehenden wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten der Stadt durch die kulturhistorische Nutzung des Walles und des Museums neben der Stärkung der Einzelhandels – und Dienstleistungsfunktion eine zentrale Bedeutung zukommt. Der Wall und das Museum sollten und sollen sich als wichtiger Standortfaktor für eine zukunftsfähige Entwicklung der Stadt entwickeln.

Um jedoch eine Risikoabschätzung und -eingrenzung für die erforderlichen Investitionsmaßnahmen vornehmen zu können, wurde von der Stadtverordnetenversammlung der Erstellung einer Machbarkeitsstudie zugestimmt, die mit Förderung des Landes durchgeführt wurde. Die Studie sollte plausibel darlegen, dass die Folgekosten aus den geplanten Investitionen für das Wallmuseum und sein Umfeld durch Erhöhung der Besucherzahlen und damit höherer Einnahmen refinanziert werden können. Mit der gleichen Beschlussfassung wurde auch die Überführung des Wallmuseums in eine neue Trägerschaft angeschoben.

Von Seiten der fördernden Stellen, dem Wirtschaftsministerium wurde der Stadt vorgegeben, sich nun kurzfristig zu entscheiden, ob das Wallmuseum mit angekündigten Fördermitteln zur kulturhistorischen Einrichtung ausgebaut und fortentwickelt werden soll. Bestandteil der Studie waren auch Kostenkalkulationen durch Fachleute, um den Kostenrahmen für die Abwicklung des Projektes abzustecken.

Neben einigen positiven Entwicklungen hinsichtlich der Wirtschaftskraft hat die Stadt eine stagnierende, teilweise rückläufige Entwicklung beim Einzelhandelsangebot in der Innenstadt zu verzeichnen. Hinzu kommen die negativen Auswirkungen durch die Schließung der Schwimmhalle. Damit ist ein Attraktivitätsverlust der Stadt verbunden, dem entgegen gesteuert werden muss. Die Stadt muss die Chance nutzen, die weitere Entwicklung in der Region aktiv zu gestalten und sich als attraktiver Zentralort zu positionieren.

Die Stadt ist selbst zwar kein klassischer Tourismusort und die Wirtschaft der Stadt ist nicht unmittelbar auf den Tourismus ausgerichtet, muss sich aber als Einkaufs und – Dienstleistungszentrum in der Mitte der Bäder behaupten. Der Einzelhandel, die Gastronomie und der Dienstleistungsbereich haben während der Sommermonate den überwiegenden Anteil ihres Jahresumsatzes zu verzeichnen.

Der Ausbau des Wallmuseums zu einem kulturtouristischen Anziehungspunkt in der Region ist für die Stadt derzeit die einzige Möglichkeit, ihre Attraktivität zu steigern und zusätzliches Potential für Oldenburg zu gewinnen. Aus dem Ausbau und der Weiterentwicklung wird kurzfristig zwar keine unmittelbare Verbesserung der Wirtschaftlichkeit des Museums zu erzielen sein, dennoch werden sich daraus positive Effekte für Wirtschaft und damit mittelbare Effekte für den städtischen Haushalt ergeben. Das ist zwar nicht auf Euro und Cent genau quantifizierbar, aber unbestreitbar vorhanden. Das Wallmuseum wird die Wertschöpfung in der Stadt deutlich verbessern, wenn sich Menschen nach einem Wallbesuch zu einem weiteren Aufenthalt in der Stadt entschließen. Nachgewiesene wissenschaftliche Erhebungen haben gezeigt, dass jeder Tagesbesucher im statistischem Mittel 28,80€ ausgibt.

Sicherlich fällt die Entscheidung mit Blick auf die gesamte Investitionssumme von
1,7 MIO€ und einem Eigenanteil von ca. 530.000€ nicht leicht.
Entscheidend für die Beschlussfassung, den Förderantrag beim Land für die Fördergelder zu stellen, darf jedoch nicht allein die Investitionssumme sein, sondern diese muss auf der Basis der zu erwartenden Gesamtwirtschaftlichkeit getroffen werden.

Es hat keinen Sinn, das Museum vor sich hin dümpeln zu lassen. Es sind schon jetzt in jedem Fall weitere Investitionen erforderlich, wie z.B. die Erreichbarkeit für behinderte Personen. Der Zuschussbedarf des Museums beläuft sich zur Zeit auf ca. 130.000€ pro Jahr, ohne die wirtschaftlichen Impulse für die Stadt.

Das Museum muss folgenden Gesichtspunkten gerecht werden :
- Das Museum muss deutlich an Attraktivität gewinnen.
- Das Museum muss das Publikum z.B. durch Bespielungen und Aktivitäten besser ansprechen.
- Der Werbeetat muss deutlich aufgestockt und das Marketing deutlich verbessert werden.
- Kompetenz und Verantwortung müssen durch festes Personal gewährleistet werden, damit das Publikum kompetent betreut werden kann.
- Die Wege müssen so hergerichtet werden, dass sie künftig für alle Menschen genutzt werden können, auch um Besuchergruppen vermehrt zu gewinnen.

Volker Lohr 25.7.2009